Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes zeigen sich oft anhand unspezifischer Symptome. Um welche Krankheit es sich genau handelt, ist daher häufig unklar. In diesem Artikel stellen wir Ihnen das Krankheitsbild Morbus Crohn vor und erklären Ihnen, wie eine Ernährungstherapie den Krankheitsverlauf Ihres Kindes positiv beeinflussen kann.

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Morbus Crohn: Definition

Bei Morbus Crohn handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Magen-Darm-Traktes. Sie unterscheidet sich von anderen gastrointestinalen Erkrankungen dadurch, dass hier der ganze Verdauungstrakt in seiner Funktion beeinträchtigt sein kann. In den meisten Fällen ist der Darm betroffen, selten auch Magen, Speiseröhre und Mund. Wie schwer die Symptome ausfallen, ist oft unterschiedlich, je nachdem, welche Abschnitte betroffen sind und wie stark die jeweilige Entzündung ist.

In Deutschland leben etwa 400.000 Menschen mit den entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, häufig wird die Diagnose im Kindes- und Jugendalter gestellt. Die Krankheit verläuft in Schüben: In der Remissionsphase, also beim Rückgang eines Schubes, kann es sein, dass kaum Symptome oder Beschwerden auftreten.

Symptome von Morbus Crohn bei Kindern

Was sind die ersten Anzeichen von Morbus Crohn? Zu den typischen Symptomen und Anzeichen gehören unter anderem:

  • Durchfälle
  • Übelkeit
  • Schmerzen am rechten Unterbauch: Hier liegt der Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm. Dies ist der Darmabschnitt, der am häufigsten von Morbus Crohn betroffen ist.

Symptome von Morbus Crohn treten jedoch nicht nur im Magen-Darm-Trakt auf, da Entzündungen den ganzen Körper schwächen und beeinträchtigen können. Geschwüre und Entzündungen an Mund- und Nasenschleimhaut, Augenentzündungen, Gelenkschmerzen, sowie generelle Schlappheit und Müdigkeit gehören deshalb auch zu den Symptomen von Morbus Crohn.

Folgen von Morbus Crohn bei Kindern

Weil Morbus Crohn Veränderungen im Magen und Darm verursacht, kann es zu einer Nährstoffunterversorgung oder Mangelernährung kommen. Bei Kindern mit Morbus Crohn hat dies häufig Einfluss auf das Wachstum und kann zudem zu einer Gedeihstörung führen.

Diagnose von Morbus Crohn bei Kindern

Wie wird Morbus Crohn bei Kindern festgestellt? Es gibt keinen spezifischen Test, mit dem sich Morbus Crohn feststellen lässt, da sich die Symptome mit denen anderer gastrointestinaler Erkrankungen überschneiden. Medizinische Fachkräfte der Gastroenterologie greifen daher auf verschiedene Diagnostikverfahren zurück.

Wenn Sie die oben genannten Symptome bei Ihrem Kind feststellen, sollten Sie sich auf jeden Fall an eine medizinische Fachkraft wenden. Zusätzlich können Sie mit dem Perzentilenrechner durch Eingabe von Gewicht und Größe schnell und einfach feststellen, ob Ihr Kind eher größer oder kleiner, schwerer oder leichter ist als andere Kinder in diesem Alter.

Körperliche Untersuchung und Krankengeschichte

Bei einer ersten körperlichen Untersuchung wird zunächst der Bauch Ihres Kindes vorsichtig abgetastet, um Auffälligkeiten wie Verhärtungen oder Druckschmerz festzustellen. Im Gespräch wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin außerdem auf die familiäre Krankengeschichte Ihres Kindes eingehen: Gab es in Ihrer Familie schon einmal ähnliche Fälle einer solchen Darmerkrankung? Die genaue Ursache von Morbus Crohn ist noch unklar, es wird jedoch ein Zusammenhang mit der genetischen Veranlagung vermutet.

Andere Erkrankungen ausschließen

Eine Laborauswertung von Blut- und Stuhlproben gibt außerdem Aufschluss über die Entzündungswerte. So lassen sich andere Krankheiten wie zum Beispiel eine Magen-Darm-Infektion ausschließen.

Darm- und Magenspiegelung und weitere Verfahren

Um sich ein verlässliches Bild zu machen, ob es sich bei der Krankheit Ihres Kindes um Morbus Crohn handelt, wird eine Darmspiegelung (auch Endoskopie genannt) durchgeführt. Mithilfe einer Kamera, die über den Darmausgang eingeführt wird, können die Darmwände betrachtet werden. Je nach Schweregrad der Symptome kann außerdem eine Magenspiegelung notwendig sein. Weitere Möglichkeiten zur Diagnose, die in Verbindung mit den oben genannten eingesetzt werden können, sind unter anderem eine Biopsie oder bildgebende Verfahren wie ein MRT oder CT.

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Ernährung bei Morbus Crohn

Die Ernährung von an Morbus Crohn erkrankten Kindern ist ein sensibles, aber gleichzeitig wichtiges Thema – immerhin übernimmt der Magen-Darm-Trakt beim Essen und Trinken eine tragende Rolle.

Ernährungstherapie abhängig von der Morbus Crohn-Phase

Die Behandlung von Morbus Crohn ist darauf ausgerichtet, die Entzündung im Verdauungstrakt einzudämmen, damit die beschwerdefreien Phasen für Ihr Kind so lange wie möglich anhalten. Im akuten Schub ist die erste Wahl der Therapie bei pädiatrischem Morbus Crohn eine exklusive enterale Ernährung über 6-8 Wochen um den akuten Schub zu stoppen. In vielen Fällen kann die Ernährungstherapie eine Kortikosteroidbehandlung ersetzen beziehungsweise den Einsatz von Kortikosteroiden reduzieren.

Das Ziel der Therapie von Morbus Crohn ist jedoch der Erhalt der Remissionsphase. Das bedeutet, dass bei akuten Schüben die Ernährungstherapie im Fokus steht, um die Entzündungen im Verdauungstrakt schnellstmöglich zu mildern. In der anschließenden Remissionsphase wird die Ernährungstherapie ergänzend eingesetzt, um am Gewicht sowie dem Wachstum (sogenanntes Aufholwachstum) zu arbeiten. Die Ernährung bei Morbus Crohn sollte demnach immer auf die jeweilige Schub- oder Remissionsphase angepasst werden.

Morbus Crohn-Ausschlussdiät (CDED)

Eine exklusive enteraler Ernährung kann über den benötigten Zeitraum von sechs bis acht Wochen schnell als eintönig empfunden werden – oft kommt es zum Abbruch der Diät. Abhilfe kann hier eine spezifische Ausschlussdiät für Morbus Crohn (Crohn’s Disease Exclusion Diet – CDED) leisten – in Kombination mit medizinischen Trinknahrungen als partielle enteralen Ernährung bieten.

Die Morbus Crohn-Ausschlussdiät (CDED) schließt Lebensmittel aus, die die Symptomatik verschlechtern können, beispielsweise indem sie das Darmmikrobiom negativ beeinflussen, Entzündungen verstärken oder die Fähigkeit des Darms, Nährstoffe zu absorbieren, verschlechtern.

In dieser Diät werden beispielsweise Weizen, Milchprodukte, tierische Fette, verarbeitete Lebensmittel, Emulgatoren sowie Konservierungs- und künstliche Zusatzstoffe ausgeschlossen. Stattdessen umfasst sie leicht verdauliche Lebensmittel wie bestimmte Obst- und Gemüsesorten, Reis, Kartoffeln, mageres Fleisch (Hühnerbrust) / mageren Fisch (zum Beispiel Seezunge, Scholle, Flunder) und Eier.

Um den Energiebedarf zu decken und eine zusätzliche Versorgung mit Eiweiß, Kalzium und Vitamin D zu gewährleisten, wird in der Praxis empfohlen, die Diät partiell mit enteraler Ernährung (PEN) mittels vollbilanzierten Trinknahrungen zu kombinieren.

Die praktische Anwendung dieser Kombination erfolgt in drei Phasen mit jeweils unterschiedlicher Lebensmittelauswahl. In jeder Phase sind Trinknahrungen in unterschiedlichen Anteilen fester Bestandteil der Diät.

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Diese Übersicht sollte nicht als Leitfaden für die Einhaltung einer Diät verwendet werden. Stattdessen sollte die Diät unter diätassistentlicher und ärztlicher Betreuung durchgeführt werden.

Folgende Lebensmittel sollten in allen Phasen vermieden werden, außer sie werden in den unteren Phasen explizit erlaubt.
  • Milch und Milchprodukte
  • Tierische Fette
  • Frittierte oder fettige Lebensmittel
  • Weizen
  • Andere Hühnerteile als Hühnerbrust
  • Andere Quellen von tierischem oder Sojaprotein
  • Sulfithaltige Lebensmittel, wie viele Trockenfrüchte
  • Verpackte, konservierte oder gefrorene vorgekochte Lebensmittel, wie Teige und Backwaren
  • Gefrorenes oder konserviertes Obst und Gemüse
  • Orale Eisenpräparate
  • Soja- oder glutenfreie Produkte (soweit unten nicht ausdrücklich erlaubt)
  • Fertige Saucen, Sirup, Brotaufstriche, Margarine, Butter
  • Essig, Sojasauce, Ketchup, Mayonnaise
  • Alkoholische Getränke, Softdrinks, Säfte

Zusatzstoffe:

  • Emulgatoren
  • Künstliche Süßstoffe
  • Karrageen
  • Maltodextrine (und Sucralose)
  • Xanthan (Verdickungs- und Geliermittel)
  • Sulfite (Konservierungsmittel)

Folgende Lebensmittel zählen in Woche 1-12 zu den "Muss" und "Darf" Lebensmitteln.

Tägliche „Muss“-Lebensmittel

  • Frische Hühnerbrust (150-200 g)
  • 2 frische Kartoffeln (geschält, gekocht und tiefgefroren zur Verbesserung der Verdaulichkeit)
  • 2 Eier
  • 2 Bananen
  • 1 Apfel (geschält - wenn keine Darmverengung vorliegt)

Tägliche „Darf“-Lebensmittel

  • Frische Erdbeeren
  • Frische Melone (1 Scheibe)
  • Reismehl
  • Weißer Reis und Reisnudeln
  • 2 Tomaten
  • 2 Salatgurken (mittelgroß)
  • 2 Avocado-Hälften
  • 1 Karotte
  • 1 Tasse ungekochten Spinat
  • Kopfsalat (3 Blätter)

Zutaten zur Zubereitung:

  • Zwiebeln
  • Frische grüne Kräuter (z.B. Basilikum, Petersilie, Koriander, Rosmarin, Thymian, Minze, Dill)
  • Salz, Pfeffer, Paprika, Zimt, Kreuzkümmel, Kurkuma
  • max. 3 Esslöffel Honig
  • max. 4 Teelöffel Zucker
  • Frischer Ingwer und Knoblauch, Zitronen und Limetten

Getränke:

  • 1 Glas frisch gepresster Orangensaft aus frischen Orangen (nicht aus Kartons oder Flaschen)
  • Wasser, still oder sprudelnd

Wöchentliche „Darf“-Lebensmittel

  • Frischer magerer Fisch

Folgende Lebensmittel dürfen in Woche 7-12 zusätzlich zu den "Darf"-Lebensmitteln aus Phase 1 konsumiert werden.

Einmal pro Woche

  • 1 Scheibe Vollkornbrot
  • 1 Dose Thunfisch (in Oliven- oder Rapsöl), abgetropft
  • ½ Tasse Haferflocken

Täglich ab Woche 7

  • 1 Scheibe Vollkornbrot
  • Brokkoli, Blumenkohl, 2 Röschen täglich
  • 4 frische Champignons (nicht aus der Dose)
  • ½ rote Paprika
  • 1 Zucchini oder in Scheiben geschnittener Kürbis
  • 1 Birne oder Kiwi oder 1 reife Nektarine
  • Quinoa
  • 3 Esslöffel gekochte Linsen oder Erbsen
  • 6 Mandeln oder Walnusshälften (unbearbeitet)
  • Zusatzstoff Backnatron (Natriumhydrogencarbonat)

Täglich ab Woche 10

  • Die meisten Gemüsesorten (begrenzte Mengen unter Anleitung einer Ernährungsberatung)
  • Die meisten Früchte (begrenzte Mengen unter Anleitung einer Ernährungsberatung)
  • Quinoa
  • 3-4 Esslöffel gekochte Linsen oder Erbsen

Folgende Lebensmittel dürfen in Phase 3 unbegrenzt konsumiert werden, solange der Gesundheitszustand es zulässt.

Phase 3 enthält alle erlaubten Lebensmittel der Phasen 1 und 2, es gibt aber keine „Muss“-Lebensmittel mehr. Die Wochenenden sind „freie Tage": es können also auch ansonsten nicht erlaubte Lebensmittel vorsichtig probiert werden. Dabei gilt: nicht erlaubte Lebensmittel nur in Maßen; selbstgekocht ist immer besser als Fertiggerichte; Essen im Restaurant nur auf Kosten eines „freien Tages“.

Zusätzliche tägliche Lebensmittel

  • Andere Hühnerteile als Hühnerbrust (keine Haut, Flügel und innere Organe)
  • Thunfisch, 1 Dose pro Woche
  • 1 Portion Naturjoghurt 3,5% Fett (ohne Zusatzstoffe)
  • Vollkornbrot, 2 Scheiben
  • Nudeln, kleine Portion
  • Die meisten Früchte (auch sulfitfreie Trockenfrüchte) und Gemüse: vorsichtig einführen!

Beispielhafter Ernährungsplan an einem Schultag (Phase 1)

In Phase 1 könnte ein durchschnittlicher Ernährungsplan für ein Kind im Alter zwischen sieben und 13 Jahren folgendermaßen aussehen:

Unabhängig von Schub oder Remission empfehlen wir für eine bestmögliche Therapie die Betreuung durch ein interdisziplinäres Team von verschiedenen Spezialist:innen, wie zum Beispiel Kindergastroenterolog:innen und Ernährungsberater:innen etc.

Wir sind persönlich für Sie und Ihr Kind da

Wir sind Ihr Partner für eine optimale Ernährungstherapie im Alltag mit dem Ziel, dass Ihr Kind routiniert das Leben mit Trink- oder Sondennahrung meistern kann. Unsere examinierten Gesundheits- und Krankenpfleger vom Nutricia Ernährungsteam Junior beraten Sie persönlich, weisen in Produkte ein und kümmern sich um die gesamte Rezeptabwicklung inkl. kostenfreier Lieferung.

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In manchen Fällen kann als Alternative zur medizinischen Trinknahrung auch vorübergehend eine Sondennahrung sinnvoll sein, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen.

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Infatrini und Nutrini Trink- und Sondennahrungen sind Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (bilanzierte Diät). Zum Diätmanagement bei fehlender oder eingeschränkter Fähigkeit zur ausreichenden normalen Ernährung beziehungsweise bei krankheitsbedingter Mangelernährung. Nur unter ärztlicher Aufsicht verwenden.